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Stress ist Gift für die FaszienDer Terminkalender quillt über und es gilt, einen Termin nach dem anderen abzuarbeiten. Da ist die Präsentation, die bis zum Ender der Woche auf dem Schreibtisch vom Chef liegen muss. Die Kinder müssen von der Schule abgeholt und zum Sporttraining gebracht werden und der Elternbeirat trifft sich am Mittwoch, um über das ehrenamtliche Engagement der Eltern an der Schule zu beratschlagen. Außerdem ist der Kühlschrank mal wieder leer und der Hausputz steht auch wieder an.

Stress ist eine der unangenehmsten Situationen, in denen wir uns befinden können. Wir schwitzen, sind gereizt und überall zwickt es in unserem Körper.

Was passiert bei Stress in unserem Körper?

Dabei ist Stress grundsätzlich eine sehr wichtige und interessante Reaktion.  Der Körper reagiert auf veränderte äußere Reize, mobilisiert Energiereserven und setzt die Körperfunktionen in erhöhte Alarm- und Handlungsbereitschaft.

Dieser Zustand war in vergangener Zeit von großem Nutzen um potentiellen Fressfeinden zu entkommen oder sich zu wehren. Bei dieser Art von Stress handelt es sich um eine kurzfristig andauernde Situation, die vollkommen harmlos auf unseren Organismus wirkt, da dieser nach kurzer Zeit wieder in seinen Normalzustand zurückkehrt.

In der heutigen Gesellschaft sind Fressfeinde durch kontinuierlichen Termindruck und dauerhafte Erreichbarkeit ersetzt worden. Diese wirken meist für einen längeren Zeitraum auf unseren Organismus ein und setzen uns kontinuierlich unter Stress.

Sind wir Stress über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, hat unser Körper keine Chance, die Energiereserven wieder aufzufüllen. Kontinuierlicher Stress kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter werden ausgeschüttet und im vegetativen Nervensystem wird der Sympathikus aktiviert. Dieser versetzt unsere Körperfunktionen in erhöhte Leistungsbereitschaft. Auswirkungen bemerken wir in einer beschleunigten Atmung oder einer erhöhten Spannung der Muskulatur.

Das Institut für Faszienforschung an der Universität Ulm, unter der Leitung des Humanbiologen und Diplompsychologen Dr. Robert Schleip und der Neurophysiologin Heike Jäger konnten in ihrem Faszienlabor nachweisen, dass sich Faszien, werden sie Stressbotenstoffen ausgesetzt, unabhängig von den Muskeln zusammenziehen können.

Was sind die Bestandteile von Faszien?

Faszien bestehen grundsätzlich aus Protein und Wasser. Dabei unterscheidet man die Strukturproteine Kollagen und Elastin. Die Grundsubstanz der Faszien, extrazellulare Matrix genannt, besteht zum größten Teil aus Wasser und darin gelösten Nährstoffen.

Daneben finden sich in der Matrix Fibroblasten. Diese sind für die Produktion der Strukturproteine zuständig. Darüber hinaus finden sich Lymph-, Fettzellen und zahlreiche Nervenendigungen im Fasziengewebe.

In seinem Buch „Faszien-Fitness“ unterteilt Dr. Schleip die Funktionen der Faszien in verschiedene Bereiche. Eine wesentliche Funktion ist dabei die Kommunikation.

Über die Nervenendigungen kommuniziert das Fasziengewebe mit dem Nervensystem  und übermittelt Reize und Informationen. Aus diesem Grund betrachten mittlerweile Faszienforscher das Bindegewebe als ein eigenes Organ, das unseren Körper durchdringt.

Äußere Reize können so über das Fasziengewebe an das vegetative Nervensystem weitergeleitet werden.

Der amerikanische Körpertherapeut Thomas W. Myers behauptet in dem Buch „Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen“, dass kontinuierlicher Stress über zwei unterschiedliche Wege aus unserem Körper entweichen kann.

Zum einen sucht er seinen Weg über die Körperchemie. Dabei wirken sogenannte Neuropeptide auf unser Nervensystem und wir fühlen uns gereizt bzw. nervös.

Der zweite Weg führt über Spannungsmuster in unserem Körper. Ein verspannter Nacken oder ein schmerzender Rücken können dabei Anzeichen für kontinuierlichen Stress sein. Die Faszienspannung in unserem Körper wird dabei von unserem vegetativen Nervensystem beeinflusst.

Wie wirkt das vegetative Nervensystem auf unsere Faszien?

Das vegetative Nervensystem regelt alle unbewussten Körperfunktionen in unserem Organismus. Es ist verantwortlich, dass unser Stoffwechsel funktioniert und wir atmen, ohne bewusst einen Befehl ausüben zu müssen.

Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems und sorgt dafür, dass unser Organismus leistungsbereit ist. Sein Gegenspieler der Parasympathikus hingegen, ist für die Regeneration und den Aufbau von körperlichen Reserven verantwortlich.

Wirken äußere Reize auf unseren Organismus, werden diese über die Nervenendigungen in den Faszien weitergleitet und der Sympathikus setzt Botenstoffe frei, die zu einer Mobilisierung von Energiereserven und einer erhöhten Leistungsbereitschaft führen.

Welche Botenstoffe ziehen unsere Faszien zusammen?

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Informationen zwischen Nervenzellen übertragen. Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden freigesetzt, wenn wir auf Stresssituationen reagieren.

Neurotransmitter wie Serotonin oder Melatonin dienen der Entspannung und Regeneration.

Es handelt sich bei den Botenstoffen um chemische Substanzen, die neben der Signalübertragung zwischen Nervenzellen das Stressempfinden beeinflussen.

Das Forschungszentrum in Ulm konnte wissenschaftlich belegen, dass Faszien unter dem Einfluss von Neurotransmitter reagieren. Ist unser Körper kontinuierlich Stresssituationen ausgesetzt, verhärten bzw. verfilzen die Faszien und es können sich kleine Risse bilden. Aufgrund der vielen Rezeptoren, die sich im Bindegewebe befinden, kommt es zu einem Schmerzreiz, der an das Nervensystem übertragen wird.

Faszientraining gegen Stress

Bei der Massage bzw. dem Dehnen von Fasziengewebe, werden Signale an das vegetative Nervensystem geleitet, die den Parasympathikus aktivieren und eine Entspannungsreaktion zur Folge haben.

Durch den Austausch der Gewebeflüssigkeit während der Massage werden Entzündungsstoffe aus dem Gewebe gepresst und Versorgung der Zellen wird verbessert.

Dr. Schleip nennt in seinem Buch „Faszien-Fitness“ das Gefühl der Leichtigkeit und Entspannung nach einer Faszienmassage als Erklärungsansatz für die Verbindung zwischen den Faszien und dem vegetativen Nervensystem.

Faszienrollen Empfehlung für das Training gegen Stress

Quellen:

Thomas W. Myer „Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen, 2004
Dr. Robert Schleip, Faszien-Fitness, 2014

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